Tagged with unternehmertum

Learnings vom gestrigen Venture Apéro

Das gestrige Venture Apéro Referat in Basel war das Beste, das ich seit langem gehört habe. Dr. Patrick Schünemann hat über seine zahlreichen Gründungen (und Verkäufe) gesprochen.

Meine Learnings:
- Man sollte immer offen, ehrlich und frühzeitig kommunizieren. Das sei vor allem bei Nachfolgeregelungen wichtig.
- Herr Schünemann ist Spezialist für die Entwicklung von Firmen von der Roh-Idee bis zu einem Umsatz von 4-10 Mio CHF. Er denkt sehr früh über einen Verkauf nach und verkauft in der Regel auch, sobald diese Umsatzgrösse erreicht ist.
- Bevor er gründet, überlegt er sich, wie er mit dieser Firma die erste Million Umsatz erreichen kann (und zwar konkret). Sobald er gründet, will er innerhalb der ersten 6 Monate 500’000 CHF Umsatz erreichen.
- Das Schreiben von Businessplänen ist generell Zeitverschwendung. Man sollte lieber Umsatz erwirtschaften und nicht Businesspläne schreiben.
- Man sollte im Optimalfall eine AG mit einem Mindestkapital von 300’000 CHF gründen. Davon 100’000 CHF Aktienkapital und 200’000 CHF Partizipationsscheine (die er an Privatleute in kleinen Tranchen verkauft). Oft kauft er die Partizipationsscheine mittels Rückkaufrecht mit einem Zins von 10-20% zurück.
- Unternehmer sein heisst, etwas zu unternehmen.
- Timing der Gründung ist wichtig. Grundsatz: Der erste scheitert, der zweite wird berühmt und der dritte wird reich :-)
- Eine hohe Marge ist wichtig: Bei Dienstleistungen 40%, bei Produkten 60-90%. Alles andere lohnt sich nicht.
- Bei Nachfolgesituationen sollte man nicht einfach wegrennen, sondern die Nachfolge proaktiv planen.
- Er schaut, dass seine Unternehmen immer profitabel sind und dass er tiefe Fixkosten hat. Grundsatz: Klein anfangen, testen und stetig wachsen.
- Wichtig: Wenns nicht funktioniert: ABBRUCH (das braucht Mut!). Abbruch heisst: Firma jemandem abgeben (Nachfolgeplanung) oder verkaufen. Liquidation sollte ein Ausnahmefall bleiben.
- Wenn Businesspläne nötig sind, sich so kurz wie möglich halten. Besser eine kurze Management-Summary oder eine Kurzpräsentation als 30 Seiten Text.
- Investoren bedeuten hohen bürokratischen Aufwand. Man sollte sich gut überlegen, ob man diesen Weg gehen will.

Fazit:
Venture Apéros können sich sehr lohnen :-).

Tagged , , , , ,

Unternehmertum in der Schweiz

Grosse und bekannte Unternehmen hat die Schweiz genug (UBS, Rolex, Swatch, Nestlé, Roche, Novartis, …). Doch manchmal darf man sich zurecht fragen: Was läuft eigentlich in punkto Unternehmertum in der Schweiz? Wenn wir ehrlich sind: Nicht allzu viel! Es gibt Businessplanwettbewerbe wie Venture oder De Vigier, Initiativen wie Venturelab, aber trotzdem will unter den jungen Leuten (nach meinem Eindruck) immer noch nicht wirklich Aufbruchstimmung aufkommen. Ist auch kein Wunder, denn an Hochschulen und Universitäten ist Unternehmertum ein Fremdwort. Während meines gesamten Wirtschaftsstudiums an der Uni Basel bin ich in regulären Vorlesungen nicht einmal auf Unternehmertum aufmerksam gemacht worden. Stets wird man auf die klassische Laufbahn bei Unternehmensberatungen oder Grossunternehmen getrimmt. Mir liegt diese “normale” Karriere nicht (obwohl ich weiss, dass man niemals “nie” sagen sollte – sagen wirs so, die normale Karriere ist der Plan B ;-). Es kommt mir vielmehr wie moderne Prostitution oder Skaverei vor – man verkauft sich, seine Seele, seine Ziele, Träume und Visionen einer grossen “Corporate Machine”. Das ist nicht mein Ding.

Den einzigen Kontakt mit Unternehmertum an der Uni hatte ich bei Venture Challenge, einem Semesterkurs, der von Venturelab organisiert und durchgeführt wird. Das war die wohl nützlichste Vorlesung meines gesamten Studiums. Dort lernt jeder Teilnehmer das ABC modernen Unternehmertums, und zwar von A-Z (von der Gründung bis zum Exit). Bleiben wir noch ein bisschen bei Venturelab, denn dies ist wohl die beste (kostenlose) Hilfe, die man derzeit als Schweizer Jungunternehmer erhalten kann. Es werden in der ganzen Schweiz regelmässige Venture apéros (Tipp: günstigen Rotwein kaufen) veranstaltet, die dem Networking dienen. Hat man bereits eine Businessidee, kann man einen Businessplan-Workshop namens Venture plan besuchen (haben wir gemacht, ist empfehlenswert!). Ist der Businessplan überzeugend, gehts mit Venture training in die nächste Runde, wo man kostenloses persönliches Coaching erhält. Ist auch diese Hürde geschafft, empfiehlt es sich, sich bei CTI Start-up zu bewerben (dies kann man auch unabhängig von Venturelab machen, ist wohl aber nur für bereits erfahrene Unternehmer empfehlenswert). Das Ziel von CTI Start-up ist es, das CTI-Label zu erhalten, welches von zahlreichen Business Angels und Venture Capitalists als Qualitätsmerkmal verstanden wird und die Kapitalaufnahme deutlich erleichert. Ein Beispiel eines Unternehmens mit CTI-Label ist Kaywa (Roger hat mir erzählt, dass er keine Venturelab-Programme besucht hat, es ist also auch ohne Venturelab möglich ;-). Beispiele von Startups, die bei Venturelab dabei waren sind z.B. Primecut oder Supertext.

Web 2.0 mässig läuft nach meinem Eindruck aber noch nicht allzuviel in der Schweiz. Kaywa hab ich schon erwähnt. Blog.ch ist ein schweizer Blog-Aggregator und map.search.ch ist eine echt coole Applikation, um die Schweiz zu entdecken (siehe auch die Sightseeings von Sandro). Aber ich bin überzeugt, dass das nicht alles ist, was die Schweiz zu bieten hat :-). Ich halte Euch auf dem Laufenden…

Tagged , , , ,
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.